Blog des brau.ART e. V. | 2025
28. September 2025
Mehr als Kunst – das war die 16. brau.ART
Der Herbst ist in Dessau-Roßlau eingezogen – und mit ihm ging die 16. Ausgabe der brau.ART zu Ende. Über zwei Wochen lang wurde die Alte Schultheißbrauerei zum Schauplatz für Kunst, Kultur und Begegnung. 38 Künstlerinnen und Künstler zeigten Arbeiten zum Thema kunst:stoff – nicht nur das Material stand im Mittelpunkt, sondern auch der gedankliche Stoff, der in die ausgestellte Kunst eingeflossen war. Die Besucher kamen zahlreich – wieder fast 2.000 waren es - die Einträge im Gästebuch bezeugten Begeisterung und forderten zum „Weiter so!“ oder zum „Bitte auf ganz Deutschland ausbreiten!“ auf.
Am Tag der Finissage begann der Abend mit einer Performance: In einem Reich aus Gold und Schein entblößt ein Narr die Wahrheit. Julie Boehm verwandelte mit ihrem Team Körper zur Bühne, die Haut zur Leinwand, das Ich zur Frage. Im Zentrum: eine goldene Banane – Symbol und Spiegel zugleich. Was ist Kunst? Was bleibt, wenn der Glanz vergeht?
Dann sprach Dr. Eckhard Zilm, der scheidende Vorsitzende, Worte des Dankes – warm und bewegt; an die Kunstschaffenden, an die aktiven Mitglieder des brau.ART e.V., an alle Akteure, die dieses Kulturfest mitgetragen und gestaltet haben. Vor allem auch an die Künstlerin Veronika Kaiping und den Designer Marc Feldmann, die mit feinem Gespür und vielen frischen Ideen diese Schau kuratiert hatten. Er betonte auch, dass sich die Kooperation mit dem NEWKID e. V. in diesem Jahr als besonderer Glücksfall erwiesen hatte. Ihre musikalischen Beiträge – die atmosphärische Begleitung durch "Tonstruktur" bei mehreren Veranstaltungen und das energiegeladene Benefizkonzert der "Klabusterbären" – belebten den Außenbereich der Brauerei auf eigene Weise. Sie öffneten Klangräume, die auch jüngeres Publikum anzogen – Menschen, die vielleicht seltener die klassischen Räume von Kunstausstellungen betreten, aber hier neugierig verweilten, lauschten, blieben.
Dann wurden noch einmal alle Künstlerinnen und Künstler auf die Bühne gebeten, eine Blume zum Zeichen des Dankes überreicht, ein letztes Gruppenbild gemacht.
Es folgten die Preisverleihungen: Der Newcomerpreis der Jury ging an Lisa Marie Rudorff aus Dessau für ihre fantasievollen, handwerklich präzisen Arbeiten, die mit Leichtigkeit und Tiefgang die Phantasie anregten. Der Publikumspreis wurde zum dritten Mal in Folge der Künstlerin Astrid Salewski verliehen – diesmal für ihre großformatige Leinwände aus ihrer Reihe (Re)KONSTRUKTIONen. Und es gab ein Novum – der Publikumspreis heißt jetzt „Walther mit h“ – eine skurrile, liebevoll gestaltete Trophäe des Holzgestalters und Vereinsmitglieds Jürgen Ludwig. Der Name grenzt sich bewusst von Walter Gropius (ohne h) ab und ist doch ein augenzwinkernder Gruß in seine Richtung.
Musikalisch trug die junge Musikerin Elena Bujan den Abend – Stimme, Instrumente und Hall verschmolzen zu einem Resonanzfeld, das Gänsehaut hinterließ und gerne hätte länger dauern können – eine wahre Entdeckung an diesem Abend.
Dann klang der Abend noch einmal mit feinstem elektronischen Sound von „Tonstruktur“ aus. Das war sie nun, die 16. brau.ART. Ein Fest der Vielstimmigkeit, der Kunst und Kultur, der Gemeinschaft. Und doch liegt eine leise Besorgnis über diesem Abend: Eckhard Zilm nimmt seinen Hut – ein neuer Vorstand ist nicht in Sicht. Und die Brauerei? Sie zeigt immer mehr Risse. Die Hoffnung auf eine 17. Ausgabe bleibt – getragen von Engagement, Ideen und dem Wunsch, dass dieser besondere Ort und das Event der Kunst erhalten bleibt.
(Beitrag von Astrid Salewski)
26. September 2025
Tangram - ein Spiel der Formen und Farben
Zwei große Holztische unterhalb des hohen Sprossenfensters bildeten die Bühne für einen stillen, konzentrierten Workshop. Auf jedem Platz lagen sieben Blätter Papier in unterschiedlichen Farben – bereit, sich in geometrische Kompositionen zu verwandeln. Vor den Tischen: Anleitungen auf einer Staffelei. Die Papierkünstlerin und Mitglied unseres Vereins Angelika Spindler leitete mit ruhiger Präzision durch die Anfertigung des klassische Tangram-Spiels.
Tangram ist ein altes chinesisches Legespiel, das aus 7 Teilen, den Tans, besteht. Die klaren Formen des Tangrams – Dreiecke, Quadrat, Parallelogramm – erinnern an die gestalterische Sprache des Bauhauses: Reduktion auf das Wesentliche, Spiel mit Fläche und Proportion, das Denken in Modulen. Das Ziel des Spiels ist es, die sieben Teile zu einem Quadrat zusammenzulegen. Aber in der Vielfalt der Möglichkeiten entstehen auch Tiere, Boote oder andere Figuren.
Die Tans werden aus den farbigen Blättern gefaltet – nicht geschnitten. Für ungeübte Hände eine wahrlich knifflige Aufgabe. Nicht jedes Teil wollte sofort gelingen, doch ans Aufgeben dachte keiner in der kleinen Gruppe der Teilnehmenden.
Zum Abschluss faltete sich jeder noch eine passende Aufbewahrungsschachtel – ein kleines, praktisches Kunstwerk, das die Tans sicher verwahrt und den Workshop abrundete. Momente der Ruhe, des Spiels und der Schönheit im Rahmen der 16. brau.ART – man könnte auch sagen: Momente, in denen Papier zu Poesie und Geometrie zur Geste wurden. Für diese sinnliche und kreative Erfahrung ein herzlicher Dank an Angelika!
(Beitrag von Astrid Salewski)
23. September 2025
Salsa trifft Industriekultur
Wenn die Spätsommersonne durch die Fenster der Alten Schultheißbrauerei fällt und das Kesselhaus in warmes Licht taucht, beginnt etwas Magisches: Der Salsa-Workshop mit Ipek und Egehan im Rahmen unserer 16. brau.ART. Zwischen rostpatinierten Stahlträgern, Ziegelmauerwerk und dem Echo vergangener Braukunst entfaltete sich an diesem Dienstagabend ein neues Rhythmusgefühl: Ipek und Egehan, beide Masterstudierende im Studiengang Integriertes Design an der Hochschule Anhalt, führten Tanzbegeisterte mit packender Energie und präziser Anleitung durch die Grundschritte und ließen gleichzeitig Raum für Improvisation und Leichtigkeit.
Auch wenn sich gerade einmal sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingefunden hatten, erwies sich die kleine intime Runde als Glücksfall: die Beiden konnten individuell auf jede Bewegung eingehen, korrigierten mit Feingefühl und ermutigten zu tänzerischer Freiheit. Das Kesselhaus wurde so zum Resonanzraum für persönliche Begegnung und konzentriertes Lernen.
Ein spätsommerlicher Höhepunkt, der noch lange nachklingen wird – in den Hüften, in den Herzen der Tanzenden und im Gemäuer der alten Industriehalle.
Herzlichen Dank Ipek und Egehan!
(Beitrag von Astrid Salewski)
18. September 2025
Andreas Hillger "Zwischen Stühlen"
Im Sommer des Jahres 1973 verabreden zwei Architekten den Bau eines Museums in eigener Sache: Fünf Jahrzehnte nach der legendären Bauhaus-Ausstellung in Weimar – und drei Jahre vor dem Jubiläum der realen Dessauer Schule – wollen sie am dritten Ort die Zeugnisse einer Utopie versammeln, die längst zur Wirklichkeit verkommen ist. Doch leider trennt eine Mauer den Berliner Baugrund … und während einerseits ein wissenschaftliches Archiv in Arbeit ist, plant man andererseits einen republikanischen Palast. Bietet ein Grundlagenvertrag dennoch die Chance, dass Neuferts Norm und Paulicks Platte im Niemandsland zwischen Ost und West zueinanderfinden?
Obwohl sich an diesem späten Donnerstagabend nur ein kleiner Kreis versammelte, war die Aufmerksamkeit der Zuhörerinnen und Zuhörer umso konzentrierter. In seinem fiktiven Briefwechsel zwischen den Architekten Ernst Neufert und Richard Paulick verknüpfte Andreas Hillger auf kluge und vielschichtige Weise Bauhaus-Geschichte, deutsch-deutsche Teilung und architektonische Visionen. Einige Gäste fühlten sich angesichts der utopischen Entwürfe Paulicks unweigerlich an die Debatten im Vorfeld des neuen Bauhausmuseums in der Dessauer Innenstadt erinnert. Die kurze Lesung aus Andreas Hillgers kommendem Buch – eine erste literarische Skizze – hätte aus Sicht mancher Zuhörerinnen und Zuhörer gerne länger dauern dürfen. So bleibt das Publikum mit gespannter Neugier zurück: auf den Fortgang des Briefwechsels und auf das Scheitern des Vorhabens, das sich bereits abzeichnet.
Andreas Hillger ist Dramaturg, Journalist und Autor der Romane "Gläserne Zeit", "Ortolan", "Ei_land" und "Totale". Er schrieb zuletzt die Texte für das Müntzer-Oratorium "Solange ihr Tag habt" (Komposition: Christoph Reuter), das in Allstedt und Wittenberg aufgeführt wurde, war leitender Dramaturg für Schauspiel und Puppentheater am Anhaltischen Theater Dessau und zwei Jahre lang Hausautor des Theaters Augsburg. Sein dort uraufgeführtes Musical "Herz aus Gold", entstanden in Zusammenarbeit mit Komponist Stephan Kanyar, wurde 2018 sechsfach für den Deutschen Musical Theater Preis nominiert und in drei Kategorien ausgezeichnet – soweit nur einige Stationen einer vielseitigen künstlerischen Vita.
Wir danken Andreas Hillger herzlich für diesen anregenden Abend und blicken mit Vorfreude auf "ZWISCHEN STÜHLEN", das im kommenden Jahr erscheinen wird.
(Beitrag von Astrid Salewski)
13. September 2025
Skizzen zwischen Backstein und Klang
Das Kesselhaus der Alten Schultheis-Brauerei atmet Geschichte. Roter Backstein, raue Wände, eiserne Träger – ein Raum, der einst brodelte, dampfte, klang. Heute ist er still, und doch voller Resonanz. Fünf Zeichnerinnen und Zeichner sitzen um einen Tisch, die Sonne des Spätsommers fällt schräg durch das hohe Fenster, streift Farbkästen, Skizzenbücher, Hände. Was auf dem Tisch liegt, wird gezeichnet. Auch der Backstein und die rostigen Fenster eignen sich. Aus der Nachbarhalle drängen Klänge der Klanginstallation von Jacob Aran herüber und geben der Szenerie zusätzlich etwas Magisches. Die Künstlerinnen Alexandra Liakhavets und Veronika Kaiping sind auch dabei und geben den Beteiligten kleine Anregungen und Hilfestellungen. Gäste der Ausstellung schauen den Zeichnenden neugierig über die Schultern. Nur der Kaffee fehlt - obwohl die Veranstaltung eigentlich "one coffe - one sketch" heißt - aber niemand vermisst ihn. Denn hier, zwischen Ziegel und Licht, entsteht etwas anderes: eine stille Gemeinschaft, ein zeichnender Dialog mit diesem historischen Ort.
Schon seit einem Jahr sind sie in Dessau-Roßlau unterwegs – mit Skizzenbuch, Farben und jeder Menge Neugier. Vom KIEZ-Café über das Café im Bauhaus-Museum bis zum Café Mitte: Wo sie auftauchen, entstehen kleine Kunstwerke, die Gesehenes und Erdachtes auf Papier lebendig werden lassen. Und diesmal eben auf der 16. brau.ART und im historischen Gemäuer der Alten Schultheis-Brauerei.
(Beitrag von Astrid Salewski)
12. September 2025
Die 16. Ausgabe der brau.ART ist eröffnet...
Schnell noch die letzten Bilder beschriften, einige Stellwände im „Container“ verstauen, einen weißen Sockel anthrazit streichen, Farbrollen auswaschen, Toilettenpapier im WC nachfüllen, Getränke bereitstellen, einen Pavillon fürs Catering herrichten… Wie in jedem Jahr waren wieder viele letzte Handgriffe notwendig, bevor sich die Hallen der Alten Schultheißbrauerei für die 16. brau.ART öffnen konnten.
Und dann hätten wir am liebsten einen kleinen Trommelwirbel in die Luft geschickt, um nach einem Jahr der intensiven Vorbereitung unsere Anspannungen zu lösen. Als das Publikum in großer Zahl in die Hallen drängte - 310 Striche fanden sich am späten Abend auf unserer Besucher-Zählliste und die tatsächliche Anzahl dürfte noch höher gewesen sein – wussten wir, dass unsere Werbung für die Schau ganz ordentlich funktioniert hatte.
Bevor die Gäste die Arbeiten zum Thema „kunst:stoff“ in Augenschein nehmen konnten, gab es auf der Bühne klangvolle Kunst für die Ohren. Die jungen Musiker des Blechbläserensembles „Philan Horns“ unter Leitung von Arne Lagemann und Jens Uhlig stimmten gekonnt mit Werken von André Waignein und Franz Kanefzky auf die kommenden Ausstellungstage ein.

Anschließend ergriff Dr. Eckhard Zilm, Vorsitzender des brau.ART-Vereins, Wort und Mikrofon und erläuterte, dass der Verein das Thema kunst:stoff nicht von ungefähr gewählt habe. Im Bezug auf das hundertjährige Bauhausjubiläum, in dem es sich inhaltlich u. a. um die materiellen Grundlagen in den Gestaltungsdisziplinen drehen soll - spielt Kunststoff eine wesentliche Rolle. Mit den folgenden Grußworten des Oberbürgermeisters Herrn Robert Reck und der Direktorin des Bauhauses Frau Dr. Barbara Steiner wurde nicht nur die ehrenamtliche Arbeit des brau.ART e. V. als wertvoller Beitrag für das kulturelle Leben unserer Stadt gewürdigt, sondern ganz konkret auch der thematische Bezug vieler Ausstellungswerke zum Thema des Bauhausjubiläums „An die Substanz.Bauhaus Dessau 100“ hervorgehoben.
Im Anschluss schlug die Stunde der Künstlerinnen und Künstler. Veronika Kaiping stellte die Schar der ausstellenden 38 Kunstschaffenden vor, darunter vier der Kategorie „Newcomer“. Die Designerin und Illustratorin kuratiert in diesem Jahr gemeinsam mit dem Diplom-Designer Marc Feldmann die brau.ART. Neben 14 Mitgliedern des brau.ART-Vereins präsentieren 24 Gastkünstlerinnen und Gastkünstler aus 11 Städten ihre Arbeiten. Die weiteste Anreise hatten das Künstlerkollektiv Behrmann und Traub aus Mannheim und die Fotokünstlerin Brigitte Striehn aus unserer Partnerstadt Ibbenbühren ([Hier] gibt es mehr über die Künstlerinnen und Künstler zu erfahren).
Am Ende des offiziellen Programms überraschte Brigitte Striehn Oberbürgermeister Reck, indem sie ihm eine großformatige Collage von Alfred Gockel - Maler und Grafiker aus Lüdinghausen - als Gastgeschenk ihrer Heimatstadt überreichte.
Nachdem Dr. Eckhard Zilm die Schau offiziell als eröffnet erklärte, zog es die Besucherinnen und Besucher zu den ausgestellten Arbeiten. Viele suchten das Gespräch mit den Künstlerinnen und Künstlern oder ließen den Abend einfach mit Wein und Bratwurst bei chilliger Musik von „Tonstruktur“ vom NEWKID e. V. ausklingen.
Was für ein wunderbarer Abend und stimmungsvoller Auftakt unseres Kulturevents.

Wir danken ganz herzlich allen Besucherinnen und Besuchern, die mit ihrem Interesse Jahr für Jahr die brau.ART bereichern. Ein besonderer Dank geht an Frau Dr. Steiner und OB Robert Reck für ihre inspirierenden Worte, an Veronika Kaiping und Marc Feldmann für die gelungene und wunderbare Kuration, an die „Philan Horns“ für ihre musikalische Unterhaltung, an das Cafe Bauhaus für das Catering, an „Tonstruktur“ für die Elektrobeats vom Plattenteller und an den Offenen Kanal Dessau für den Sendemitschnitt. Und vor allem: Danke an alle teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler, die durch ihre Kunstwerke die Ausstellung überhaupt erst ermöglichen.
01. März 2025
STILLE MOMENTE
In der Märzausgabe der Schaufensterausstellung des BBKariums lädt Astrid Salewski mit ihrer kleinen Bildauswahl ein, die mitunter verstörende Schönheit ruhiger Augenblicke zu erkunden. Gezeigt werden Arbeiten, die im Rahmen eines Arbeitsstipendiums zum Thema „Unterm Eis“ und für die Ausstellung „“ sowie für das Buchprojekt „Die Stille im Blau“ unter Verwendung verschiedener Techniken und Materialien entstanden sind.
Anders als in diesen stillen Bildern beschäftigt sich die freiberufliche Malerin in ihren Arbeiten häufig mit den verborgenen Seiten der menschlichen Natur und schrammt dabei gerne voller Fantasie einen Pulsschlag an der Realität vorbei.
Ort: Ferdinand-von-Schill-Str. 3
Die Ausstellung ist rund um die Uhr geöffnet.
Vernissage: 01. März 2025, ab 18 Uhr
Weitere Infos gibt es hier:
Instagram: @atelier.262, @bbkarium_dessau

























