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17. brau.ART (2026)

17. brau.ART

Die brau.ART ist eine jährlich stattfindende, kuratierte Ausstellung für zeitgenössische Kunst in Dessau‑Roßlau, getragen vom Kunstverein brau.ART e. V.. Die nunmehr 17. Ausgabe findet vom 11. bis 27. September 2026 erneut in der Alten Schultheißbrauerei statt. In diesem Jahr hat sich der Verein für das bewusst offene Thema „o. T.“ entschieden – ein Titel, der sich jeder Festlegung entzieht.

 

66 Künstler*innen haben sich beworben; die Jury hat ihre Wahl getroffen. 50 Einzelkünstler*innen und 2 Künstlergruppen, werden sich in ihren Arbeiten aus Bildender Kunst und Design mit dem Thema auseinandersetzen. 

 


Thema: o. T.

Gedanken von Dieter Bankert

(Architekt und Künstler, Mitglied im brau.ART e. V.)

 

Was will „o. T.“ uns sagen? Es sei so gut, es bliebe besser ohne Titel, Null Thema, kein klärendes Wort. Es spräche allein in der Semantik seiner Form und Farbe. Das unbenannte vorgeblich bedeutungslose aber vermeintlich inhaltsschwere Werk möge vor dem Stigma einer engen Kennzeichnung bewahrt werden. Das kleine weiße Titelschild ziehe vorsätzlich den schnellen Blick nur auf sich. Die Phantasie wäre künstlich eingehegt, ein genussvoll langer und tiefer Inhaltsfund unmöglich. Das titulär vorgeschriebene  Verdauen verenge die Sicht, verderbe den Genuss - schlichte Zuneigung käme nicht auf. 

Deshalb schreibe geheimnisvoll: „o. T.“. Nur dann würde die immanente Kraft tiefer Deutung nachhaltig gefordert. Die Speise solle ohne aufgezählte Inhaltsstoffe gut schmecken. Oder: sehr viel Weisheit sei ganz tief verborgen. Sie zu benennen, scheut der Meister. Oder O.T. ist mit hintergründigem Ernst als Signum zum heiteren Witz gegeben. Aber geh nicht gleich weiter. Denk' dir was. Sei sprachlos. Das rätselhafte Kunstwerk leuchte direkt deinem Geist ein. Name sei Schall und Rauch. Aber mit Etikett: „o. T.“! 

Also ich male/fotografiere/blase Wolken: „Wolken“ - Bringt nichts, nur Redundanz. Ich male Wolken: „o. T.“ - Oho, da muss ein tiefer Gedanke dahinter stecken! Ich male weißgraue Farbflecken: Titel „Wolken“ - Geht so. Dann dasselbe Bild: Titel „o.T.“-  Soll`n das vielleicht Wolken sein? Ich male richtige Wolken: Titel „Gedanken“. Na ja, hab ich freilich auch schon gedacht. Dann siehst Du am Himmel die Wolken ziehen, und Du denkst: „Ein schönes Bild.“ 


Gedanken von Andreas Hillger

(Autor und Dramaturg, Mitglied im brau.ART e. V.)

 

Dieses Kürzel ist eine Zumutung: Mit dem lakonischen Vermerk „o. T." wird in der Kunst normalerweise ein Werk markiert, das sich einer einengenden Benennung verweigern soll. Weil freilich auch damit eine Entscheidung getroffen und eine Tendenz vorgegeben wird, ergibt sich ein Dilemma - zumal, wenn sich 50 individuelle Positionen in einer Ausstellung unter diesem Etikett vereinen. Und dass die Abkürzung in heutiger Online-Kommunikation auch als „Off Topic" - also „nicht zum Thema gehörig" - gelesen werden kann, macht die Sache noch komplizierter. Denn wenn man diese Kennzeichnung zu Ende denkt, wird das Verfehlen des vorgegebenen Ziels zur einzig befriedigenden Lösung ... ein Paradoxon! 
Zugleich steht die Kunst „o. T." in einer reichen, eigenen Tradition: Mark Rothkos Farbflächen und Lucio Fontanas Leinwandschnitte, Günter Ueckers Nagelreliefs und Gerhard Richters abstrakte Serien bilden eigene Werkgruppen in diesem unübersichtlichen Sammelgebiet, größtmögliche Offenheit verbindet diese Ansätze als kleinster gemeinsamer Nenner. Von nachträglichen Zu- oder Abschreibungen durch ratlose oder unbekümmerte Kunstwissenschaftler ganz zu schweigen ... Wenn kein Name auffindbar ist, geht „o. T." immer - mit allen Konsequenzen für den Betrachter, der damit in eigene Verantwortung genommen wird. Die feinen Nuancen, die sich in der Abgrenzung zu „Untitled" oder anderen Varianten offenbaren, dürfen dabei nicht unbeachtet bleiben: Zwischen dem Namenlosen und dem Unbenannten gibt es Unterschiede, die viel über das Verhältnis zwischen dem Schöpfer und seiner Schöpfung erzählen. 
Aber kann „o. T." nicht auch als Einladung gelesen werden - ins Vieldeutige, Rätselhafte, überraschende? Kann das „o" nicht auch für „offen" stehen und das „T" für Thema oder Technik? In der Einheit der Vielfalt, die sich unter dem Dach der brau.ART seit mittlerweile mehr als anderthalb Jahrzehnen versammelt, ist das Unerwartete seit jeher erwartbar. Daher darf man auch diesmal davon ausgehen, dass Jede und Jeder unter dem „o. T." etwas völlig Anderes, Eigenes versteht - und dies auch dem Besuchenden anheimstellt. Und diese Freigabe der Deutungshoheit hat etwas zutiefst Demokratisches, was den Verein vor der Gesellschaft auszeichnet: Vielleicht sollten wir generell mehr „o. T." wagen und uns lieber ein eigenes Bild machen, als uns vorschnell von Titeln leiten zu lassen ... 

Kuration

In diesem Jahr kuratieren Marc Feldmann und Benjamin Kerwien - beide Künstler und Mitglieder im brau.ART e. V. - und Stella Kornfeld (Grafikdesignerin) die Schau.

Künstlerinnen und Künstler

Zur Liste der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler geht es [hier]

Rahmenprogramm

  

Schnappschüsse

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